Rettungshundearbeit - Curlies Deutschland

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Rettungshundearbeit

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Ringlet's Vinterbris | Foto: Th. Eickhoff

Rettungshundearbeit

Nächtlicher Rettungshundeeinsatz mit Fia

Donnerstag Abend, halb 12 (in Deutschland)
Jedem Hund noch schnell einen Keks und ab ins Bett – ist ja eh schon viel zu spät. Zum Einschlafen vielleicht noch ein paar Minuten Harald Schmidt? Thorstens Handy klingelt – wenn das mal nicht… ja, klar, doch, och nöö… Einsatz! Vermißt wird ein 7 jähriges Mädchen und zwar schon ein paar Stunden. Oh nein! Also schnell Klamotten an, Einsatzgepäck und Hunde verladen und los. Treffen mit der Rettungshundestaffel und anderen Einsatzkräften auf einem Parkplatz. Die Polizei vor Ort sagt, das Mädchen sei nicht wie verabredet bei Einbruch der Dunkelheit wieder zuhause gewesen… sie wohnt in der Nähe. Rings um uns Schrebergärten, eine Autobahnauffahrt, ein Puff, eine Tanke… aber um diese Zeit quasi niemand zu sehen. Alle Freunde und Kontakte des Kindes wurden bereits abgefragt. Oh nein, bitte nicht!

Das Kartenmaterial ist, wie so häufig, leider nicht allzu aussagekräftig, “guckt mal wie ihr das sinnvoll eingeteilt bekommt…” Ich bin, sonst eigentlich nicht so pienzig, für dieses mal echt froh einen männlichen Suchgruppenhelfer an die Hand zu bekommen. Schrebergärten absuchen, die meisten akurat abgezäunt und selbstverständlich verschlossen. Kenndecke überstreifen, Funkgeräte überprüfen – und los. Auf geht’s Fia! Zunächst müssen wir erstmal einen Zugang finden, die ganze Kolonie ist ordentlich abgesperrt. Über eine Brache und ein verwildertes Grundstück geht es dann, das ist auch nach Fias Geschmack, sie durchforstet das Dickicht und die bereits verfallene Hütte. Dann stehen wir im Gitternetz adretter Wege. Ok, zur Abwechselung Wegesuche ist auch gut. Fia gibt mal ordentlich in jede geschickte Richtung Gas. Dann wird es frickelig, jede Parzelle für sich bietet schon ungezählte Versteckmöglichkeiten… Neben zumeist ganz korrekten und gepflegten Gärtchen gibt es auch immer wieder mal verwilderte Abteile. Letztere sind uns lieber, die sind offen und ich kann Fia direkt schicken. MIST! Steht sie da etwa gleich auf der Straße?! STOP! Macht sie auch sofort. Gott sei Dank, ich hänge hinter einem Stacheldraht bewehrten Zaun fest, Fia steht an der Straßenkante. Hier ist nur kein direktes Zurückkommen möglich… Nach einigem hin und her, und dem innerlichen Schwur, Schicken im Dunkeln mit Taschenlampenkegel bzw. Arm-und-Hand-Anleuchten vermehrt zu üben, schafft Fia es nicht nur den Hecken- und Brachestreifen hinter dem Zaun abzusuchen, sondern auch sich von mir um diverse Gebüsche herum und eine weitere Hecke hindurch von mir weg und zu einer Zaunlücke einweisen zu lassen. Unser Sani ist schwer beeindruckt. Ich auch. Danke Fia, Du bist my best girl! Weiter so! Viel unangenehmer sind die akurat verschlossenen Parzellen, Hund reinheben, Suchen lassen, hier und da noch mal in Ecken, hinter Büschen lang und in Hüttenanbauten schicken. Hund rausheben – reinheben – Suchen lassen… Langsam bekommen wir aber Routine, Fia ist kaum noch ob der Prozedur erstaunt, sondern kommt nach dem Absuchen schon selbständig zurück und stellt sich am Zaun auf, damit ich sie da wieder rausheben/-ziehen kann. Irgendwie kommt sie mir heute Nacht kein bißchen “klein” vor… Nach und nach reicht es, den Zaun ein wenig runterzudrücken oder auch nur zu berühren und sie springt zumeist selbständig hinüber. Gar nicht so einfach im Wechselspiel von Dunkelheit und unseren etwas hilflosen Versuchen es für sie ein bißchen auszuleuchten. Du bist cool Fia! Danke fürs Vertrauen! Es ist echt gut mit Dir ein Team zu sein. Wir drei können uns im Laufe der Suche immer besser koordinieren. Philipp (unser Sani) checkt ob verschlossen oder nicht, behält die Grobübersicht, funkt und leuchtet aus. Fia ist super gewissenhaft und sucht bis in jeden Winkel hinein, läßt sich fantastisch einweisen (den entsprechenden Arm entlang leuchten bewährt sich für uns) und ich kann ihr eigentlich nur zuarbeiten… Sehr ordentlich Mädchen! Fia Du bist meine Beste! Dygti Girl! Wie lange sind wir eigentlich schon unterwegs? Was? Fast schon ‘ne Stunde?! Dann reicht es wohl langsam. Wir kehren zur Einsatzleitung zurück, Fia bekommt eine wohlverdiente Pause und wir ziehen mit Jack los. Im Laufe seiner Suche höre ich zufällig über Funk, daß der Suchgruppenhelfer eines anderen Teams meldet, daß sie nun die Suche erfolglos beenden. Erfolglos? Wie so häufig war der oder die Vermißte nicht in unserem Suchgebiet. Ist es erfolglos sich ziemlich sicher zu sein, daß jemand in einem bestimmten Gebiet nicht ist? Muß man dieses unglaubliche Eingespieltsein mit seinem Hund, dieses Vertrauen, das Einverständnis als erfolglos bezeichnen, weil niemand zu finden war?
Selbstverständlich haben wir nicht den Erfolg gehabt dem vermißten Mädchen helfen zu können, aber in die Sorge und – zugegeben – Hoffnungslosigkeit dieser Nacht mischte sich auch eine sehr tiefe Dankbarkeit, mit diesem Hund zusammen arbeiten zu dürfen, immer wieder zu erleben was es heißt, ein Team zu sein.
Rettungshundearbeit hat überhaupt gar nichts mit Glamour und “Held sein” zu tun, sondern zumeist – im Einsatz – mit Frustration, Kälte, Müdigkeit, Unverständnis und Mißerfolg bezüglich des Auffindens. So auch in dieser Nacht, nach und nach erschöpften sich unsere Reserven und so mußten wir in den frühen Morgenstunden, es war bereits wieder hell, einrücken ohne das Mädchen gefunden zu haben.

Und ab und zu, leider eher selten, wird dann doch noch alles gut… Sie ist wieder zuhause! Hat einfach bei einer Feundin übernachtet…
GOTT SEI DANK!
Und so waren wir mal wieder erfolgreich ohne konkreten eigenen Erfolg auf der Suche.
Danke Fia! Und Danke Jack und Lina und Finn und Lad und wie sie alle heißen… es ist großartig mit Euch unterwegs zu sein!

 
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